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Maria Lichtmess – oder ´s Aloisle

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Maria Lichtmess, Winterhaelfte - auch im Heustall

Maria Lichtmess, Winterhaelfte - auch im Heustall

Maria Lichtmess, der 2. Februar, ist ein Fest, das am vierzigsten Tag nach Heiligabend gefeiert wird und in der katholischen Kirche früher als Ende der Weihnachtszeit galt. Noch heute bleiben in vielen Kirchen und Häusern Krippe und Weihnachtsbaum bis zu diesem Tag stehen.

Lichtmess ist aber auch der Beginn des “Bauernjahres”. An diesem Tag endete das Dienstbotenjahr. Das “Gesinde” bekam den Rest des oft kärglichen Arbeitslohnes ausbezahlt, (mit ein bisschen Glück ein Paar neue Schuhe dazu, oder aber nur “anstatt”) und konnte – oder musste – sich eine neue Arbeitsstelle suchen. Wurde der “Arbeitsvertrag” verlängert, war dies mit Handschlag im Kleinwalsertal üblich und verbindlich. Am Tag danach, dem “Schlenggeltag”, bis zum Agathatag am 5. Februar musste der Umzug zum neuen Arbeitgeber vollzogen werden, oder aber es waren drei freie Tage… sozusagen der “Jahresurlaub“.

Die Hälfte des Futters für das Vieh sollte an diesem Tag noch auf dem Heustock sein, um gut über den restlichen  Winter zu kommen. Eine alte Bauernregel sagt:

Ist´s an Lichtmess hell und rein,
wird’s ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.

Alois war  Anfang der Sechzigerjahre unser Knecht. Wir nannten ihn: s´Aloisle. Er war ein kleiner, älterer Mann mit spärlichem Haarkranz, listigen Äuglein, fleißigen Händen und einem großen Herz. Er stammte aus einem anderen Tal Vorarlbergs. Bei einem Lawinenunglück hatte er nahe Verwandte verloren. An manchen Tagen trug er schwer an dieser Last und haderte mit seinem Schicksal. Da er aber sonst ein fleißiger und gutmütiger Mensch war und recht mit den Tieren umgehen konnte, fand er in unserer Familie einige Jahre ein zweites Zuhause. Wir Kinder mochten ihn gerne. Auch wenn wir ihm so manches Mal einen Streich spielten, war und blieb er uns stets wohlgesonnen.

S´Aloisle neigte dazu, lautstarke Selbstgespräche zu führen. Zur Stallzeit habe ich mich deshalb öfter einmal in der “Rüschla” (kaminartiger Schacht  im Viehstall, in den die Heumenge zur Fütterung des Viehs aus dem Heustall hinuntergeworfen wird) versteckt und gelauscht. Selbst, wenn ich meist nicht viel davon verstanden habe, so fand ich es doch immer recht interessant und spannend.

S´Aloisle fürchtete sich jedes Jahr vor dem Lichtmesstag und das hatte auch seinen Grund, der sich in langen, aber regelmäßigen Abständen wiederholte:

Wenn er einmal im Dorf ein Bierle trank, dann gescheit…an diesem Tage haben wir  s´Aloisle nicht mehr zu Gesicht bekommen und am darauffolgenden Tag auch nicht. Der Vater hatte es im Laufe der Zeit auch aufgegeben, ihn zu suchen. War es doch so sicher, wie das Amen im Gebet, dass der Alois wiederkam. Meist waren es drei Tage, an denen er verschollen blieb. In dieser Zeit hatte er wohl all seine Traurigkeit ertränkt. Als Wegzehrung hatte er nur seinen geliebten Kautabak dabei.

Fand er sich dann wieder reumütig am Hof ein, gab er ein jämmerliches Bild ab. Wo er  “gnäschtet” (sich einen Schlafplatz gerichtet) hatte, konnte er jedenfalls nie verleugnen. Die Heubüschel standen ihm zu jedem Hosensack heraus. Dass er sich dann unter den nachprüfenden Augen der Mutter “grundreinigen” musste, war für ihn wohl die größte Strafe.

An den Tagen “danach” hat das Aloisle alle Arbeit wieder aufgeholt. Er bereute stets tief und gelobte Besserung. …bis zum nächsten Mal.

In meiner Erinnerung weiß ich nur einmal, dass der Alois seinen “Jahresurlaub” genommen hat. Als er wiederkam, fanden sich in seinem Rucksack eine Tüte voller Süßigkeiten für uns Kinder und eine Kuckucksuhr für meinen kleinen Bruder, den er besonders in sein Herz geschlossen hatte.

Verlassen hat uns s´Aloisle dann nicht an einem Lichtmesstag. Er hatte ganz einfach Heimweh und ist in sein Heimattal zurückgekehrt. Meine Eltern und vor allem wir Kinder hatten ihn noch lange sehr vermisst.
 

 

 


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Ein Kommentar zu “Maria Lichtmess – oder ´s Aloisle”

  • helga sagt zu :

    Zu Lichtmess habe ich eine besondrige Erinnerung:
    An diesem Tag wurde zu meiner Kindheit auch der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirche geweiht. Zudem brachte man sie für den Hausgebrauch zur Segnung. Diese geweihten Lichtspender waren die „gehüteten“ Wetterkerzen, die das Unwetter abhalten sollten. Ich erinnere mich hier an unvergessliche Stunden in der gemütlichen Stube, wie wir in der Nähe des Herrgottwinkels diese Kerzen mit Unterstützung von Gebeten zündeten, um uns bei heftigen Gewittern als auch Schneefällen vor Schlimmem zu bewahren. Erinnerungen an Mohle als eine alte gläubige Walserin, die uns wertvollen Glauben weitergegeben hat. Dieser Walser Herrgottswinkel wird auch heute noch von meinem Bruder im Elternhaus in Ehren gehalten.




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